Präzisionslinsen der Wikinger

Sie gelten als Produkte der High-Tech-Welt unseres modernen Computerzeitalters: asphärisch geschliffene Gläser, die heute in der Präzisionsoptik weltweit Verwendung finden. Doch dergleichen gab es offenbar schon im 12. Jahrhundert. Experten für Augenoptik bestätigten in einer mehrjährigen Analyse, daß die in schwedischen Wikinger-Gräbern entdeckten geschliffenen Bergkristalle nahezu perfekt hergestellt worden waren.

Legt man die Linse zum Beispiel auf einen Text, erhält man ein Bild, wie es mit einem modernen Vergrößerungsglas von 5cm Durchmesser erzeugt wird. Doch erst im 17. Jahrhundert gelang es dem Mathematiker René Descartes theoretische Berechnungen über asphärische Linsen anzustellen. Die tatsächliche Nutzung einer solch präzisen Technik war bisher nur aus dem 20. Jahrhundert bekannt. Wie aber war es vor 8. Jahrhunderten möglich gewesen, eine dermaßen ausgefeilte Optik-Technologie herzustellen? Forscher der Universität Berkeley/USA wollen die sensationelle "Wikinger"-Optik nun weiter untersuchen. Allgemein wird angenommen, daß die ungewöhnlichen Fundstücke aus Byzanz stammen, die von den Wikingern durch Handel oder Raub erworben wurden.

Fundort: Wikinger-Gräber auf der Ostseeinsel Gotland, Schweden

Alter: 12. Jahrhundert oder früher

Quelle: "Sagenhafte Zeiten", Nr.2/99