Der Runenstein von Kensington

Wer entdeckte Amerika wirklich? Bereits im 11. Jahrhundert werden Amerika – reisen des Leif Eriksson und seiner Brüder beschrieben. Viele glaubten, dass bereits 985 n. Chr. Der norwegische Wikinger Bjarn Herlufsson an die Küste Nordamerikas gelangte. Wieder andere meinen, irische Mönche seien die ersten gewesen. Eines der erstaunlichsten Funde, wenn auch umstritten, ist der Runenstein von Kensington. Die meistenWissenschaftler vermuten eine Fälschung aus dem 19. Jahrhundert. Aktuelle wissenschaftliche Studien brachten jetzt neue überraschende Ergebnisse zutage. Sie bestätigen, dass es sich entgegen bisheriger Auffassung doch um ein authentisches Dokument handelt. Der Stein ist etwa einen Meter hoch, 50 cm breit, etwa 10 cm dick und wiegt rund 100 kg. Entdeckt wurde er 1898 von einem schwedischen Einwanderer und Farmer, Olaf Ohman, in Kensington, Minnesota.  

Dieser verstand nicht, worum es sich bei seinem Fund handelte und versuchte auch später nie irgendwelche Vorteile daraus zu ziehen. Ohman übergab die Felsplatte dem Bankier des Ortes, der sie an die Universität von Minnesota weiterleitete. Dort gelang es einem Fachmann in skandinavischer Kultur, Prof. O.J.Breda, den Text ohne grössere Schwierigkeiten fast vollständig zu entziffern. Nur einige Zeichen blieben unverständlich, die später als Ziffern identifiziert wurden.

Der Text der Inschrift lautet sinngemäss:“Acht Goten und zweiundzwanzig Norweger auf Forschungsreise nach dem Westen Vinland. Wir haben unser Lager nahe bei zwei Felsinseln einen Tag weit im Norden dieses Steines aufgeschlagen. Und wir fischten einen Tag lang. Bei der Rückkehr trafen wir zehn unserer Männer blutüberströmt und tot an. AV M erlöse uns von dem Übel. Wir haben zehn am Meer zu Überwachung unseres Schiffes zurückgelassen, vierzehn Tage Reise von dieser Insel entfernt. Jahr 1362.“

Die Buchstaben AV M waren lateinisch und stellten die gebräuchliche Abkürzung von AVE MARIA dar. Der Runenforscher Dr. Richard Nielsen und ander Experten der Universität von Dänemark haben nun in kürzlich vorgelegten Untersuchungen nachgewiesen, dass die Schrift auf dem Stein tatsächlich altschwedisch ist. Zur Zeit der Entdeckung  im Jahre 1898 war das den Experten nicht bekannt. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden alle altschwedischen Wörter identifiziert. Ein Zeichen wurde im Jahre 1914 übersetzt und zwei weitere erst 1962. Acht der Wörter auf dem Stein erwiesen sich als modernes Schwedisch. Was die Wissenschaftler bisher aber nicht wussten: Diese verwendeten Symbole wurden bereits im 14. Jahrhundert in Dänemark und Westschweden und kurioser Weise in den tirolerischen Alpen benutzt, wie alte Dokumente belegen. Befürworter der Fälscher – These waren nicht in der Lage zu erklären, wie der mutmassliche Betrüger Olaf Ohmann diese Wörter wissen konnte, wenn sie keiner der Experten im Jahre 1898 kannte. Inzwischen ist es den Forschern gelungen auch die Reiseroute der skandinavischen Seefahrer genau zu rekonstruieren.