Der Gigantopithecus

Am Anfang war ein Zahn. Ralph von Koenigswald stöberte 1935 in einer chinesischen Apotheke in Hongkong nach "Drachenzähnen" - Fossilien, die zur traditionellen chinesischen Medizin gehören. Es war keinesfalls der erste Drachenzahn, den der deutsche Paläoanthro- pologe auf den Tresen gelegt bekam und prähistorischen Tieren zuordnen konnten. Doch diesmal erschauerte der Forscher. Vor ihm lag ein gewaltiger Backenzahn: menschenzahngleich, aber fast so groß wie eine Walnuß. Er mußte von einem Giganten stammen, dem größten Primaten der jemals existierte. Er wurde später Gigantopithecus blacki - "Blacks Riesenaffe" getauft. Mittlerweile wurden Kieferfragmente und hunderte Giganto-Zähne gefunden und analysiert. Demnach stammen die Relikte eindeutig von einer Menschenaffenart, möglicherweise einem Verwandten des Orang-Utan. Gigantopithecus tauchte erst vor rund einer Million Jahren auf und lebte vorwiegend in China und Vietnam.

Weitere Untersuchungen ergaben, daß der Riese elf Zentner schwer und aufgerichtet drei Meter groß war. (Ein Gorillamann wird 1,85 Meter groß und wiegt kaum sechs Zentner) Warum aber verschwand Gigantopithecus vor rund 200 000 Jahren nahezu unvermittelt? Seltsam muten Berichte amerikanischer Vietnam-Veteranen an: Sie wollen während des Krieges im Dschungel übergroßen Menschenaffen Auge in Auge gegenübergestanden haben.

Hat Giganto doch überlebt? Manche spekulieren, er könnte auch der Vorfahre mysteriöser Affenmenschen sein: vom Yeti im Himalaya oder vom Bigfoot, der in den kalifornischen Wäldern gesichtet wird. Doch leider existieren als Belege für diese aufregende These bestenfalls riesengroße Fußabdrücke.

Fundorte: unter anderem: 1956 in der Höhle Liucheng; und ebenso in Wuming, China und 1968 in Nordindien             

Alter: 200 000 bis eine Million Jahre, eine "kleinere" Gigantoart soll bereits 6   Millionen Jahre alt sein. Da die größere Art die jüngere ist, glaubt man, daß die Riesenaffen im Laufe ihrer Evolution immer gewaltiger geworden sind wie auch die etwa 300 000 Jahre alte Funde aus Wuming in China zeigen.

Quelle: Frenz, Lothar; "Jetzt brüllt er wieder", in GEO-Wissen, Sept. 1998, Hamburg S. 108f.